Beleidigung und Mobbing über WhatsApp – wie gehe ich damit als Elternteil um?

„Wenn ich da was sage, dann bin ich doch der Nächste, der gemobbt wird.“

Zwölf Jungen zwischen 9 und 12 Jahren haben sich an  einem Wochenende für ein Kommunikations- und Konflikttraining entschieden … und alle nicken bei der obigen Aussage? „Habt ihr alle WhatsApp-Gruppen in eurer Klasse?“ möchte ich wissen. Wieder nicken. „Gibt es Regeln, habt ihr über eure WhatsApp-Gruppe in der Klasse gesprochen?“ Nur einer nickt. Klaus* meldet sich: „Bei uns in der Klasse brauchen bestimmte Jungs nur Hallo in die Gruppe zu schreiben, sofort kommen Antworten, er solle sich verpissen und hätte nichts in der Gruppe zu suchen. Es sind immer dieselben Jungs, die das schreiben. Die kommen sich besonders cool vor“.

Über WhatsApp werden Kinder Opfer von Beleidigungen, Bedrohungen und Mobbing und niemand bekommt es mit. In diesen Gruppen wird nicht nur über sog. Außenseiter hergezogen, es werden Außenseiter gemacht. Es reicht u. U. aus, keine Markenkleidung zu tragen und schon kann der WhatsApp-Shitstorm über ein Kind herein brechen. Besonders hart für das Opfer, wenn zusätzlich heimlich Fotos gemacht und bei WhatsApp oder anderen sozialen Medien veröffentlicht werden. Nur ein Junge in meiner Gruppe erzählte, dass sie in ihrer Klasse WhatsApp-Regeln erarbeitet haben und der Klassenlehrer regelmäßig fragt, ob in der Gruppe alles in Ordnung ist. Die Eltern haben einen Elternabend zum Thema Mobbing im Internet gemacht und einige Eltern würden das Handy ihres Kindes kontrollieren. Seither würde niemand etwas Boshaftes schreiben. Der Rest meiner Teilnehmer konnte unbeobachtet und unkontrolliert in der WhatsApp-Gruppe kommunizieren.

Wie können Sie ihr Kind schützen?

  • Sprechen Sie mit ihrem Kind. Klären Sie darüber auf, was mit Nachrichten und Bildern im Netz passiert.
  • Reden Sie mit anderen Eltern aus der Klasse.
  • Informieren sie sich und stellen Sie mit den Kindern Regeln für die WhatsApp-Gruppen der Klasse auf.
  • Binden Sie den Klassenlehrer*in mit ein.
  • Sind Sie sich unsicher, ob die Gruppe sich an die Regeln hält, dann kontrollieren Sie dies regelmäßig im Beisein Ihres Kindes.

Sie denken, als Eltern muss ich die Privatsphäre meines Kindes respektieren? Mein Kind in dieser Form zu kontrollieren und in seine Intimsphäre einbrechen? – Niemals! Ich sage, WhatsApp ist nicht privat und schon gar nicht intim! Eingestellte Beiträge und Fotos hängen wie an einer Litfasssäule – für jeden sichtbar – herum. Kontrolle schützt in diesem Fall die Intimsphäre Ihres Kindes.

Sie wollen nicht, dass Ihr Kind Opfer von Mobbing oder Beleidigungen wird?

  • Es gibt nicht DIE Lösung für den Schutz vor Gefahren, denen Kinder ausgesetzt sein können.
  • Es gibt aber Tricks und Kniffe für den Alltag. Wie trete ich auf, wie setze ich meine Stimme, meinen Blick ein? Ich kann unangenehme Begegnungen durchspielen, eben üben.
  • Es gibt aber auch Grenzen und es ist nötig, deutlich zu machen, dass es wichtig ist, sich Hilfe zu holen.
  • Lassen Sie ihr Kind erkennen, was es kann und wie stark es ist.
  • Zeigen Sie Ihrem Kind, dass es so, wie es ist, gut ist.
  • Zu wissen, was ich will, was mir guttut und was nicht, wird Ihren Kindern helfen, sich abzugrenzen und Stopp sagen zu können. Denn das ist der erste Schritt, um nicht Opfer zu werden. Erst wenn ich mich nicht als Opfer fühle, werde ich kein Opfer mehr sein.

Grade das Feedback der Eltern in meinen Coachings geht in diese Richtung. Immer wieder kommen Mütter auf mich zu, die Sorge hatten, dass ihr Kind sich nicht durchsetzen kann und fragen mich, was ich mit ihrem Kind gemacht hätte. Er würde plötzlich deutlich und klar sprechen, den Blick nach vorne richten und auch sonst viel selbstbewusster wirken. Wenn ich dieses Feedback bekomme, weiß ich, da ist etwas angekommen. Ich bringe den Kindern aber nichts bei. Ich mache Ihnen Angebote, bei denen sie sich neu ausprobieren können. Sie lernen Seiten an sich kennen, die bisher vielleicht nur verborgen in ihnen geschlummert haben. Sie sind kein anderer Mensch, wenn sie aus meinem Coaching kommen. Sie sind nur gewachsen.

Viele Grüße

Ihr Frank Lohscheller

*Name geändert

Kommentar (1)

  1. M. Müller

    Hallo Herr Lohscheller,
    es würde mich freuen, wenn Sie mal wieder einen neuen interessanten Beitrag schreiben würden!
    Beste Grüße von einer interessierten Mutter

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